Hygge – das dänische Wohlgefühl
Kerzenlicht, Wollsocken, gute Menschen am Tisch – warum die Dänen so gut darin sind, es sich schön zu machen.
Wohlfühl-Karte
HerkunftDänisch (auch Norwegisch)
Aussprachehü-ge (dänisch etwa „hügge“, mit kurzem ü)
BedeutungEine warme, gemütliche Atmosphäre und das Gefühl von Geborgenheit, Zufriedenheit und Miteinander.
- Dauer
- 30 Min.
- Kosten
- Kostet nichts
- Jahreszeit
- Herbst · Winter
- Lesezeit
- 4 Min.
Kerzen an, Decke um, Tee in der Hand – und die Welt draußen darf warten. Hygge ist das dänische Wort für genau dieses Gefühl.
Was Hygge bedeutet
Hygge (gesprochen etwa „hü-ge“) lässt sich nicht ganz übersetzen. Am nächsten kommt unser Wort Gemütlichkeit – aber Hygge meint mehr als ein kuscheliges Sofa.
Es ist eine Stimmung: Man fühlt sich sicher, warm, entspannt und verbunden. Hygge kann ein Abend mit Freunden sein, ein Frühstück im Bett am Sonntag, ein Spaziergang im Nieselregen mit anschließendem Kakao. Hauptsache, niemand hat es eilig.
In Dänemark ist Hygge nicht nur ein Wort, sondern fast eine Lebenshaltung. Man sagt dort sogar „hyggelig“, wenn etwas gemütlich ist, und verabredet sich zum „hygge sig“ – es sich hyggelig machen.
Woher das Wort kommt
Hygge gibt es im Dänischen und Norwegischen. Sprachforscher führen es auf altnordische Wörter für Denken, Gemüt und Trost zurück. In dänischen Texten taucht es seit dem 19. Jahrhundert auf.
Weltberühmt wurde es erst viel später: 2016 erschienen gleich mehrere Hygge-Bücher, und das Wort landete in Großbritannien auf den Shortlists für das Wort des Jahres – bei Oxford Dictionaries und bei Collins. Seitdem stehen überall Kerzen, Wollplaids und Zimtschnecken unter dem Hashtag.
Warum Hygge gerade im Winter so gut tut
Dänemark hat lange, dunkle Winter. Hygge ist die Antwort darauf: Statt gegen die Dunkelheit anzukämpfen, macht man es sich in ihr schön.
Das passt wunderbar zu unseren Breitengraden. Wenn dich der Winterblues erwischt, ist Hygge eine sanfte Gegenbewegung: Licht, Wärme, Menschen. Keine Selbstoptimierung, kein Programm – einfach ein bisschen netter zu dir selbst sein.
So holst du dir Hygge nach Hause: 10 Ideen
- Kerzen statt Deckenlicht. Warmes, niedriges Licht ist das Herz von Hygge. Mehrere kleine Lichtquellen wirken gemütlicher als eine große.
- Eine Lieblingsecke einrichten: Sessel, Decke, Kissen, Leselampe. Ein Platz, der nur zum Wohlfühlen da ist.
- Wollsocken und Strickpulli. Bequem schlägt schick, zumindest zu Hause. Die Dänen haben dafür sogar ein eigenes Wort: hyggebukser, die gemütliche Hose, die man nie vor Gästen tragen würde.
- Langsam kochen: Ein Eintopf, der zwei Stunden blubbert, macht die ganze Wohnung hyggelig.
- Backen: Zimtschnecken, Apfelkuchen, Bananenbrot. Der Duft allein zählt schon.
- Freunde einladen – unaufwendig. Keine Bewirtung wie im Restaurant, sondern Suppe, Brot, Spiele. Bei Hygge geht es ums Wir, nicht ums Beeindrucken. Jeder bringt etwas mit, keiner steht den ganzen Abend in der Küche.
- Bildschirme weglegen. Wenigstens für einen Abend. Gespräche, Bücher, Puzzle.
- Rausgehen, um wieder reinzukommen: Ein Spaziergang im Regen macht den heißen Tee danach doppelt schön.
- Ein Feuer: Kamin, Feuerschale im Garten oder – ganz ehrlich – das Kaminfeuer-Video auf dem Fernseher.
- Dankbar sein: Am Ende eines hyggeligen Abends kurz innehalten und merken: Das war schön.
Hygge für dich allein
Hygge muss nicht immer gesellig sein. Auch ein Abend allein kann wunderbar hyggelig werden: ein dickes Buch, ein Glas Rotwein oder Kakao, eine Kerze, Regen am Fenster. Kein Termin, kein Ziel, keine Erwartungen.
Wichtig ist nur die Haltung dahinter: Du machst es dir bewusst schön, statt einfach nur die Zeit totzuschlagen. Der Unterschied zwischen Herumhängen und Hygge ist die Absicht. Wenn du magst, plan dir einmal pro Woche einen festen Wohlfühlabend nur für dich ein – mit allem, was dir guttut.
Hygge ist kein Einkaufszettel
Ein kleines Augenzwinkern zum Schluss: Hygge wurde in den letzten Jahren gern als Deko-Trend verkauft. Duftkerzen, Fellkissen, Kuscheldecken für viel Geld.
Dabei braucht Hygge fast nichts. Eine Kerze, die du schon hast. Ein Mensch, den du magst. Zeit, die du dir nimmst. Das Gefühl kommt nicht aus dem Laden, sondern aus der Langsamkeit.
Wenn du mehr über verwandte Wohlfühl-Wörter lesen magst: Die Schweden haben Fika, ihre liebevolle Kaffeepause. Und wir Deutschen haben ein Wort, das Hygge sehr nahe kommt: Geborgenheit.
Hygge ist, wenn draußen der Wind heult und es drinnen trotzdem nach Zimt riecht.
Häufige Fragen
Was bedeutet Hygge auf Deutsch?
Am nächsten kommt „Gemütlichkeit“. Hygge meint aber mehr als ein gemütliches Zimmer: das Gefühl, sich mit sich und anderen wohl, sicher und entspannt zu fühlen.
Wie spricht man Hygge aus?
Etwa „hü-ge“ mit kurzem ü. Auf Dänisch klingt das g fast wie ein weiches k, also eher „hügge“.
Wie lebt man Hygge im Alltag?
Mit warmem Licht statt grellem, Zeit mit lieben Menschen, einfachem gutem Essen, bequemer Kleidung und vor allem Langsamkeit. Kaufen muss man dafür nichts.